"Terror" - Töten, um zu retten?

15 Schüler/innen des Ethikkurses der Q12 hatten am Freitag-Abend im Bamberger Kino eine interessante Zusatzaufgabe zu übernehmen. Sie fungierten, wie die anderen Kinobesucher auch, als Schöffen im vorab zu sehenden Kinodrama „Terror“. Den ganzen Film über mussten sich die Schüler/innen mit der Frage auseinandersetzen, was ist ethisch angemessenes Handeln und ist dieses Handeln auch rechtens? Vor dem Urteil mussten die Schüler/innen dann per Voting über den Ausgang des Filmes entscheiden.

Der Inhalt des Films ist schnell erzählt: Terroristen wollen ein entführtes Flugzeug in das Münchner Fußballstadion stürzen. Es bleibt nur wenig Zeit, um die Maschine vor dem Einschlag abzuschießen und der Kampfpilot tut dies auch. 164 Menschen sterben, 70.000 Fußballfans werden gerettet. Aber der Bundeswehrpilot handelte gegen den ausdrücklichen Befehl aus der Kommandozentrale, nicht zu schießen. Er ist nun angeklagt wegen 164fachen Mordes. Diesen fiktiven Terrorfall, der durchaus Realität sein könnte, arbeitet das Gerichtsdrama „Terror“ auf.

Gebannt folgten die Teilnehmer des Ethikkurses den Argumentationslinien der Staatsanwältin und des Verteidigers. Dabei bewegten sich die Ausführungen beider Parteien zwischen einem nicht mehr hinterfragbaren, ewig gültigen Naturrecht und einer christlichen Verantwortungsethik, die eine gewissensgeprüfte Entscheidung im Einzelfall abverlangt. Und es geht um Rechtspositivismus, also ob jedes Gesetz befolgt werden muss, nur weil es Gesetz ist. Menschenwürde, die im Grundgesetz verankert ist, versus Rechtspositivismus – zwei Themen des ersten Halbjahres in einem anschaulichen Beispiel und dazu utilitaristische Ansätze aus der elften Klasse. Davon waren die Schüler begeistert. Nach der Vorstellung gab es viel aufzuarbeiten, was auch in der kommenden Ethikdoppelstunde getan wurde, auch weil das Abstimmungsergebnis in Deutschland so deutlich ausfiel. 83 Prozent der Zuschauer stimmten am Montagabend beim ARD Spielfilmereignis für nicht schuldig, doch warum kam es zu diesem eindeutigen Ergebnis. Kritisch diskutierten die Schüler über das Ergebnis, über das sehr heldenhafte und glorifizierende Auftreten des Angeklagten, die groß angelegten Werbemaßnahmen für den Film, die theatralischen (und auch die Zuschauer beeinflussenden) Elemente und natürlich die ethischen Stärken und Schwächen des Films.

Insgesamt war der Film ein guter Anlass, um Theorie und Praxis zu kombinieren, kritisch über ein mediales Filmereignisse zu reflektieren und um einen eigenen Standpunkt zu diesem Thema zu bekommen.

Christian Pabstmann