Titelbild 2023 STO

FÜNF IDEEN, FÜNF MÄRKTE - KEIN GESCHÄFTSMODELL WIE DAS ANDERE 

Ein Traktor auf dem Schulhof, eine Dating-App oder das Modell eines selbstschreibenden Stiftes: Beim Abschluss des Projekts „Geschäftsmodell entwickeln“ wechselten die Gäste innerhalb kurzer Zeit nicht nur das Produkt, sondern gleich die Branche. Gerade diese Bandbreite machte den diesjährigen Abschlusspitch der 10. Klassen besonders.

Im Fach Wirtschaft und Recht hatten die Jugendlichen in Gruppen aus ersten Ideen tragfähige Geschäftsmodelle entwickelt. Sie untersuchten Probleme und Zielgruppen, analysierten die Konkurrenz und beschäftigten sich mit Produktion, Marketing, Vertrieb und Finanzierung. Fünf Teams qualifizierten sich für das Finale vor einer externen Jury.

Eine Plattform gegen ein gesellschaftliches Problem

Die Vare UG nahm den demografischen Wandel in den Blick. Besonders deutlich zeigt sich dieser in Südkorea, wo die Geburtenrate sehr niedrig ist. Der Unternehmensgründer entwickelte deshalb eine staatlich verifizierte Dating-App für Menschen mit ernsthaften Beziehungsabsichten. Die Problemanalyse und statistische Simulationen überzeugten.

Ein Gestell, zwei Looks

Chameleon setzte auf eine Produktinnovation. Selbsttönende Brillengläser werden im Sonnenlicht dunkler, die Fassung bleibt jedoch unverändert. Das Team plante deshalb eine Fassung, die sich gemeinsam mit den Gläsern einfärbt. Für Entwicklung und Vertrieb stellte sich die Gruppe eine Zusammenarbeit mit einem Unternehmen wie Fielmann vor.

Wechselsohlen statt mehrerer Paar Schuhe

Moodstep verfolgte einen modularen Ansatz: Ein modischer Schuh soll mit Sohlen für Fußball, Laufen oder die Halle ausgestattet werden können. Die Gruppe verband ihre Idee mit Überlegungen zu Produktion, Vermarktung und Nachhaltigkeit.

Wenn ein Stift Teilhabe ermöglicht

Unternehmertum mit sozialem Engagement verband Scripto Velo. Ein Stift soll gesprochene Wörter aufnehmen und automatisch in der persönlichen Handschrift auf Papier übertragen – ohne Laptop oder zusätzliches Gerät. Das Produkt soll Menschen, die aufgrund körperlicher Einschränkungen nicht oder nur schwer selbst schreiben können, zu mehr Selbständigkeit und gesellschaftlicher Teilhabe verhelfen. Ein Modell aus einfachen Materialien machte die Vision anschaulich.

Bauer Willi, ein Traktor und zu viele Leerfahrten

Besonders praxisnah arbeitete Schwertong Precision Craft. Ausgangspunkt war ein Problem aus der Forstwirtschaft: „Bauer Willi“ kann das schwere Gegengewicht zum Anheben von Baumstämmen und einen Anhänger nicht gleichzeitig transportieren. Die Jugendlichen konstruierten deshalb ein angepasstes Gewichtsschild mit integrierter Anhängevorrichtung. So bleibt das Gegengewicht am Traktor, während zugleich ein Anhänger mitgeführt werden kann.

Die Gruppe überzeugte mit technischem Wissen, Modellen, Werbevideo, Homepage und Social-Media-Auftritten. Höhepunkt war das fertige Bauteil, das auf dem Schulhof direkt am Traktor begutachtet werden konnte. Theorie und Praxis lagen bei diesem Pitch ungewöhnlich nah beieinander.

Fachfragen statt Schonprogramm

Nach den Präsentationen mussten sich die Teams den Fragen einer fachkundig besetzten Jury stellen. Ihr gehörten Lisa Wolf von der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt, Michael Schütz vom Herrenhofbund, Manfred Weth von der Sparkasse Schweinfurt-Haßberge, Michael Brehm von der Wirtschaftsförderung des Landkreises Haßberge und der Haßfurter Gründer Yannick Reuß an. Die Fachleute stellten sie gezielt Fragen zu technischen Aspekten oder wirtschaftlicher Tragfähigkeit und gaben konkrete Rückmeldungen.

Die fünf Ideen ließen sich kaum nach demselben Maßstab beurteilen. Eine digitale Plattform benötigt andere Partner und Finanzierungsmodelle als eine Brillenfassung, ein medizinisches Hilfsmittel andere Entwicklungswege als ein Sportschuh. Gemeinsam war allen Gruppen, dass sie ein reales Problem erkannten und daraus eine schlüssige unternehmerische Lösung entwickelten. Der Einsatz, der weit über die reguläre Unterrichtszeit hinausgingen, wurde mit Preisen der Sparkasse Schweinfurt-Haßberge sowie des Herrenhofbundes gewürdigt.

Wir wünschen allen Jugendlichen viel Erfolg dabei, ihre Visionen weiter zu verfolgen und bedanken uns recht herzlich für das wertvolle Feedback der Jury.

StR Kevin Kühnlein, StRin Martina Wessel und StRin Karina Hetterich