Titelbild 2023 STO

AUF DEN SPUREN OSKARS DURCH DAS MITTELALTERLICHE NÜRNBERG 

Im Deutschunterricht tauchten die Schülerinnen und Schüler der Klasse 5C mit der Lektüre Oskar und das Geheimnis der verschwundenen Kinder von Claudia Frieser in das mittelalterliche Nürnberg ein. Über mehrere Wochen begleiteten sie Oskar auf seiner Zeitreise, lernten die historischen Schauplätze des Romans kennen und erhielten spannende Einblicke in das Leben der ehemaligen Reichsstadt. Den Abschluss der Unterrichtsreihe bildete schließlich eine Exkursion zu Originalschauplätzen des Romans.

Während der Lektürephase arbeiteten die Fünftklässlerinnen und Fünftklässler mit einer digitalen „Ermittlungsakte“, die sie in der App Book Creator erstellten. Darin wurden alle Ermittlungsergebnisse - darunter Figurenmerkmale, Verdächtige, persönliche Vermutungen, Handlungsorte, historische Informationen - festgehalten, die bei der Aufklärung des Geheimnisses der verschwundenen Kinder halfen. Die Klasse wurde selbst zu Detektivinnen und Detektiven und entwickelte gleichzeitig ihren Umgang mit digitalen Medien weiter: z. B. Wie füge ich Bilder aus dem Internet in mein digitales Buch ein? Welche Bilder darf ich ohne rechtliche Bedenken aus dem Internet verwenden? Wie kann ich eine Audioaufnahme hinzufügen und mit anderen teilen? Welche ästhetischen Gestaltungsmöglichkeiten bietet der Book Creator? 

Gegen Ende der Lektüreeinheit stand schließlich ein Ausflug zu Originalhandlungsorten in Nürnberg an. In Kleingruppen bereiteten die Schülerinnen und Schüler eine eigene Stadtführung vor, auf der jede Gruppe zu einem Handlungsort im Roman einen Kurzvortrag hielt. Vom Spittlertor, durch das bereits Oskar das mittelalterliche Nürnberg betreten hatte, führte der Weg über die Lorenzkirche, das Heilig-Geist-Spital, den Hauptmarkt und das Albrecht-Dürer-Haus bis zum Rathaus. Die Expertengruppen stellten jeweils die Bedeutung ihres Handlungsortes im Roman mit den beteiligten Figuren vor und gingen auf dessen Bedeutung im Mittelalter ein, bevor sie dann den Vergleich zur Gegenwart herstellten. 

Einen Höhepunkt der Exkursion bildete der Besuch der Nürnberger Lochgefängnisse in den Kellergewölben unter dem Nürnberger Rathaus. Bei einer informativen Führung erfuhren die Schülerinnen und Schüler, dass das Rathaus ursprünglich ein Brothaus gewesen war, dessen Brotstuben größtenteils in Gefängniszellen umfunktioniert wurden. In authentischer Atmosphäre konnten die Kinder nachempfinden, wie sich die Romanfigur Kathrin in ihrer engen, mit Holzbohlen verkleideten Zelle ohne Tageslicht gefühlt haben musste. Ein besonders mulmiges Gefühl entstand in der sogenannten Kapelle, der Folterkammer, in der verschiedene Foltermethoden erläutert wurden, mit denen Geständnisse erzwungen werden sollten. Nach der Führung waren alle erleichtert, wieder im Tageslicht zu stehen. Zugleich machte der Besuch deutlich, wie wertvoll die heute selbstverständlichen Rechte und Freiheiten in einer demokratischen Gesellschaft sind. Der Blick auf die Geschichte zeigte aber auch, dass Menschen in vielen Teilen der Welt noch immer gefoltert oder in autokratischen Systemen unterdrückt werden. Umso wichtiger bleiben der Schutz der Menschenwürde und der Menschenrechte.

Die Exkursion bildete den Abschluss einer Unterrichtsreihe, in der die Schülerinnen und Schüler den Roman auf unterschiedliche Weise erschlossen - durch die gemeinsame Lektüre, mit einer digitalen Ermittlungsakte und schließlich an den historischen Schauplätzen in Nürnberg. So wurden Literatur, Geschichte und Gegenwart auf anschauliche Weise miteinander verknüpft und die Lektüre gewann durch die Begegnung mit den Originalschauplätzen eine zusätzliche Tiefe.

 

StRin Anna Poepperl