2017 02 16 EU Parlament.Schüler

EUROPÄISCHES JUGENDPARLAMENT 2017

Auf den Spuren Europas: Für einen Tag Abgeordneter in Straßburg

Jedes Jahr treffen sich rund 600 Jugendliche aus allen 28 Mitgliedsstaaten für einen Tag in Straßburg, um gemeinsam beim Euroscola-Programm als Abgeordnete des Europäischen Parlaments über europäische Politik und aktuelle Themen wie Jugendarbeitslosigkeit oder Migration zu diskutieren. 25 Schüler des Regiomontanus-Gymnasiums waren dabei und erfuhren hautnah, wie Entscheidungsprozesse auf europäischer Ebene funktionieren und wie schwierig eine Entscheidungsfindung sein kann. Dabei setzten sie ihre Sprachkenntnisse ein und lernten andere Schüler aus ganz Europa kennen.

Diskutiert wurden keine einfachen Themen: Wie gelingt es Flüchtlinge in Europa zu integrieren? Wie sieht die Zukunft Europas nach dem Brexit aus? Welches Europa wollen wir in Zukunft haben? Wie kann Europa dem steigenden antieuropäischen Populismus begegnen?

2017 02 17 EU ParlamentIn vielen Staaten der EU nehmen antidemokratische und antieuropäische Züge in der Gesellschaft und Politik Aufschwung. Viele Menschen haben offenbar das Gefühl, benachteiligt und abgehängt zu werden. Dies kam auch in der Fragestunde mit Sabine Gebhardt, der Vize-Präsidentin des Europ. Parlaments zur Sprache. Dabei konnten die Schülerinnen und Schüler aus 24 Mitgliedsstaaten der EU ihre Fragen, die ihnen unter den Nägeln brannten, offen zur Sprache bringen. Ob die zunehmende Armut und Perspektivlosigkeit in europäischen Ländern wie Griechenland oder Italien, ob Probleme bei der Gleichstellung von Frauen in Österreich, ob der Aufschwung von Rechtspopulismus und Nationalismus in Europa oder der Flüchtlingsproblematik in verschiedenen europ. Ländern. Dass diese Fragen nicht leicht zu beantworten bzw. die Probleme nicht leicht zu lösen sind, betonte Sabine Gebhardt ausdrücklich. Europa müsse allerdings deutlich mehr Präsenz zeigen. Dabei appellierte sie an die europ. Staaten, mehr Solidarität zu zeigen, ihre Verpflichtungen einzuhalten und einzelne Staaten wie Spanien oder Griechenland nicht alleine zu lassen, sondern – wie im Beispiel der Flüchtlingsproblematik – die Staaten, die die größte Last tragen, nicht alleine zu lassen. Darüber hinaus müsse dem antieuropäischen Populismus entschieden entgegengetreten werden. In Zeiten der Globalisierung gebe es keine einfachen Antworten, wie sie die Populisten oftmals geben. Europa sei sicher mitverantwortlich für das, was im Ausland, wie z.B. im Krieg gegen den Irak, geschieht. Europa sollte daher auch darauf bedacht sein, auf diplomatischen Weg Lösungen zu finden. Dies sei nach Ansicht von Frau Gebhardt die einzige Möglichkeit, Frieden zu schaffen. Gleichzeitig dürften sich die Länder, wie auch die USA, hier nicht aus der Verantwortung ziehen.

2017 02 17 EU Parlament.MedailleWas bleibt?

Die Schülerinnen und Schüler haben erkannt, dass die Europäische Union nicht nur „unsere Vergangenheit und Gegenwart“, sondern auch „unsere Zukunft“ ist. Sicher sind die Entscheidungsprozesse nicht immer einfach und auch nicht immer einfach nachzuvollziehen und sicher scheint die Zukunft der EU angesichts des „Brexits“ und eines möglichen Austritts Frankreichs in Frage gestellt. Dennoch dürften die Leistungen Europas nicht unterschätzt werden. Vor 60 Jahren haben sechs europ. Staaten die Europäische Gemeinschaft gegründet, um Frieden, Prosperität und Wohlstand zu sichern, etwas Besonderes, das die Bürgerinnen und Bürger sowie die Regierungen untereinander geschaffen haben. Eine Politik der Abschottung und Ausgrenzung sei an dieser Stelle das falsche Signal. „Ich denke, dass Ausgrenzung von Menschen das Gegenteil dessen ist, was wir in unserer Gesellschaft anstreben sollten. Vielmehr müssen wir dafür sorgen, dass die Bürgerinnen und Bürger in unserer Gesellschaft vorankommen. Ausgrenzung hat nie zu etwas Positivem geführt, sondern immer wieder zu Kriegen. Ausgrenzung und Abschottung ist nicht die richtige Antwort, sondern dafür zu sorgen, dass wir gemeinsam zusammen in Frieden leben können, dass wir Menschlichkeit zeigen, dass wir Humanität zeigen. Und das sollten wir uns für die Zukunft bewahren!“, so die Vize-Präsidentin des Europ. Parlaments Sabine Gebhardt.